Bodycooling
Brooks Running Academy
In der Sportberichterstattung fallen immer wieder Profisportler auf, die sich vor dem Lauf gezielt herunterkühlen um Ihre Leistungsfähigkeit zu verbessern. Hierzu wird vor oder während des Wettkampfes von außen Kälte auf die beanspruchte Muskulatur oder den Rumpf-/Halsbereich aufgebracht. Dafür können verschiedenen Hilfsmittel verwendet werden:
- Kaltwasserbäder (etwa 14°C Wassertemperatur)
- Eiswasserbäder (etwa 5°C Wassertemperatur)
- Eispacks („coolpacks“)
- Eismanschetten („ice Cuffs“)
- Kühlwesten („ice vests“)
- Kühlkragen (“neck cooling collar“)
- RTX-Systeme („RTX“ steht für „rapid thermal exchange“. Dies ist ein „Unterdruckkühlhandschuh“. Das venöse Blut in der Hand wird dabei durch Unterdruck und Kälteeinwirkung gekühlt, bevor es in den Rumpf zurückfließt)
Wissenschaftliche Untersuchungen berichten über Kälteanwendungen zwischen 1 und 40 Minuten Dauer. Das Ziel ist ein Absenken der Körperkerntemperatur um etwa 0,1°C pro Minute.
Die bisherige Studienlage bescheinigt dieser Methode eine deutliche leistungssteigernde Wirkung bei aeroben Ausdauerleistungen (Langstreckenlauf, Radfahren). Bei dominierend anaeroben Ausdauerleistungen (Sprints) konnten hingegen kaum positive Effekte beobachtet werden; vereinzelt wurden sogar leistungsverschlechternde Effekte eines „precoolings“ beschrieben.
Der Wirkmechanismus ist bisher nicht geklärt.
Es werden folgende Effekte des „body cooling“ beschrieben:
- Verbesserung der aeroben Ausdauerleistungsfähigkeit (im Mittel etwa 5%, im Einzelfall sehr variabel)
- Verringerung des Durstgefühls
- Geringeres Überwärmungsgefühl
- Abnahme des Ermüdungsgefühls
Völlig unklar ist bisher, welche Hilfsmittel und welche Anwendungszeiten für verschiedene Sportarten und Außentemperaturen sinnvoll sind. Ferner gibt es bisher kaum Informationen zu den unerwünschten Nebenwirkungen des „body cooling“- lediglich eine Untersuchung zeigte, dass die Kaltwasserkühlung (etwa 14°C Wassertemperatur) der Eiswasserkühlung (etwa 5°C Wassertemperatur) überlegen war.
Derzeit vermuten die Forscher, dass v.a. bei hohen Außentemperaturen eine Kühlung vor und während des Laufes leistungsverbessernd wirkt und die Kombination zweier Hilfsmittel zur Kühlung effektiver wirkt als der Einsatz eines einzelnen. Eine Überlegenheit einzelner Kühlhilfen gegenüber anderen ist bisher nicht bewiesen.
Für den Läufer bedeutet dies, gerade bei heißen Außentemperaturen alle Kühlmöglichkeiten an der Strecke zu nutzen: Schwämme, Duschen und Kaltwasserwannen ermöglichen die Kühlung der Kopfhalsregion, des Rumpfes und der Beine. Je nach Vorliebe und Erfahrung kann auch „precooling“ vor dem Start in Erwägung gezogen werden.
Dabei sollte nicht zu kaltes Wasser verwendet werden – Eiswasseranwendungen (5°C) führten im Gegensatz zu Kaltwasser (14°C) zu Leistungsverschlechterungen und unangenehmem Steifigkeitsgefühl der Muskulatur.
Von Dr. med. Ralph Schomaker
Arzt für Chirurgie und Unfallchirurgie
Arzt für Allgemeinmedizin
Zentrum für Sportmedizin GmbH
Windthorststraße 35
48143 Münster

