Warum laufen wir?
Weil es uns glücklich macht!
Laufen ist schön. Es befreit, macht fit und vor allem macht es glücklich.
Jemand, der gerade angefangen hat zu laufen, kann sich dieses Glücksgefühl schwer vorstellen. Zu groß ist vor allem in den ersten Wochen und Monaten die Überwindung trotz leichten Muskelkaters wieder auf die Strecke zu gehen und am Ball zu bleiben. Der Anfang ist schwer, aber wir können nur raten: Lieber langsam anfangen, um nicht aus Frustration, hinzuschmeißen. Denn es ist wissenschaftlich erwiesen, über kurz oder lang wird jeder Läufer das sogenannte „Runners High“ erleben. Dafür lohnen sich die Qualen in den ersten Wochen und Monaten.
Der Körper produziert während des Laufs natürliche Opiate, die das Belohnungszentrum des Gehirns anregen, was ein Glücksgefühl hervorruft. Warum das so ist, haben Wissenschaftler an der Universität von Arizona untersucht. Sie wollten es genauer wissen und stellten sich die Frage, wieso belohnt sich der Körper mit rauschartigen Glücksgefühlen? Der Grund könnte in der Evolution liegen. Denn Jäger und Sammler waren regelrechte Athleten. Sie rannten zum Essen hin und vor ihren Fressfeinden wieder weg.
Die Theorie der Wissenschaftler: Natürliche Auslese könnte neurobiologische Mechanismen wie den "Runners High" gefördert haben, um Menschen zur dauerhaften Bewegung anzuregen. Um diese Theorie zu überprüfen, verglichen die Wissenschaftler Menschen und Hunde - die meist gern laufen - mit einem Tier, das kaum weite Strecken rennt, dem Frettchen. Die Teilnehmer mussten 30 Minuten lang auf ein Laufband gehen und laufen. Gemessen an ihrer Herzfrequenz waren die menschlichen und tierischen Läufer hierbei zu 70 Prozent ausgelastet. Bei einem weiteren Experiment sollten dann neben den Menschen und Hunden auch die Frettchen aufs Laufband. Doch sie verweigerten die Kooperation. Sie blieben in ihren Käfigen.
Die Forscher nahmen vor und nach beiden Laufbandversuchen Blutproben und verglichen die Ausschüttung der natürlichen Stimmungsaufheller. Das Ergebnis: Das Gehen auf dem Laufband hatte den Probanden keine Glücksgefühle beschert. Nach dem Laufen hingegen fanden die Forscher im Blut der Menschen und der Hunde aber große Mengen an Endocannabinoiden vor. Da keiner der Versuchsteilnehmer ein "Walkers High" erlebte, vermuten die Forscher, dass die natürliche Auslese Menschen und Hunden in ihrer Evolution eher für höhere und für niedrigere Belastung belohnt hat.
Die Frettchen erlebten bei den Experimenten überhaupt keine Glücksgefühle, weil ihre Körper keine Opiate produzierten. "Ihnen machte der Dauerlauf also auch keinen Spaß", so die Wissenschaftler. Allerdings wird der Beweis dieser Studie angezweifelt. Neurologen finden den Vergleich zwischen Frettchen und Menschen nicht passend: "Daraus Thesen abzuleiten ist schwierig. Frettchen leben in Tunneln unter der Erde und schlafen 18 Stunden am Tag", erklärt der Experte David Linden der "New York Times". Der Studie zufolge haben Menschen zudem ein natürliches Verlangen zu laufen. Allerdings scheint dieser Trieb bei Bürohengsten verstummt zu sein. "Sie ignorieren ihn einfach", sagt Studienleiter David Raichlen. Warum dies so ist, kann die Studie nicht beantworten.
Die Versuchsteilnehmer seien alle ohnehin regelmäßig joggen gegangen. "Sie sind für den typischen Menschen von damals oder heute nicht repräsentativ. Unsere Forschung steht noch am Anfang", schreiben die Autoren. Könnten die Glücksgefühle Bewegungsmuffel zum Sport anregen? Eher nicht, der erste Schritt muss schon von jedem selber kommen. "Es ist sehr unwahrscheinlich beim ersten Joggen den Runners High erleben zu können. Sie seien nicht fit genug, um ausreichend Endocannabinoide zu produzieren,“ so Raichlen von der Universität Arizona.
Aber wer seine Belastungsgrenze nach und nach aufbaut, wird irgendwann auch durch Glücksgefühle zum Sport angeregt.
Na dann, raus auf die Strecke und run happy.

