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Den Gedanken eines umweltfreundlichen, also “grünen” Schuhs umsetzen? Kann das gelingen? Beim Brooks Green Silence wurde konsequent der Ansatz verfolgt, die umweltschädlichen Bestandteile stark zu reduzieren oder ganz zu ersetzen. Ob da am Ende aber ein brauchbarer Schuh bei rauskommt, wollten wir in diesem Test herausfinden.

Erster Kontakt mit dem Green Silence

Der Brooks Green Silence fällt schon beim ersten Ausprobieren durch mehr auf, als nur sein geringes Gewicht (gewogene 222g bei Größe 43). Das Aussehen sollte zwar bei der Auswahl eines Schuhs nur eine untergeordnete Rolle spielen, aber hier kommt alles zusammen. Technisch kommt der Green Silence mit wenigen Stichworten aus: abriebfeste und griffige HPR Sohle, Mesh-Gewebe als atmungsaktives Obermaterial, asymmetrische Schnürung und eine Zunge, die nur an einer Seite befestigt ist. Dazu kommt eine Besonderheit: die einzelnen Elemente sind zu min. 30% (durchschnittlich 75%) aus alten CDs und sonstigen recycleten Materialien hergestellt. Umweltschädliche Kleber wurden ebenfalls durch wasserlösliche ersetzt. Diesen „grünen“ Ansatz verfolgt Brooks auch noch in anderen Produkten, wo etwa die Zwischensohle aus biologisch abbaubaren Materialien produziert ist. Alles das sorgt u. a. dafür, dass der Schuh in kürzerer Zeit auf den Halden verrottet ist. Aber bis dahin soll er uns als Laufschuh begleiten.

Unboxing

Direkt beim Auspacken macht der Green Silence deutlich, wo es hingehen wird: leicht, flexibel und auffälliges Design. Mit gerade mal 222g lässt er sich gut in die Klasse der Lighttrainer einsortieren. Wegen der ausgeprägten Flexibilität kratzt er aber auch

Brooks Green Silence - Schnürung

Brooks Green Silence - Schnürung

schon an der Grenze zum Minimalschuh entlang. Die Flexibilität erkauft er sich durch fehlende Dämpfung und keinerlei unterstützende Elemente. Dafür ist der Green Silence aber hervorragend geeignet, die Muskulatur im Fuß zu stärken oder sogar erst aufzubauen. Wer bisher einen traditionellen Trainingsschuh hatte, wird sein „grünes“ Wunder erleben. An dieser Stelle wieder unser Hinweis darauf, dass man einen Schuh wie den Green Silence am Anfang nur auf kurzen Strecken einsetzen sollte. Hat sich die Muskulatur in Fuß und Wade ausreichend gebildet, kann man den Schuh auch für längere (> 5km) Läufe einsetzen. Sofern man dann noch Spaß daran hat und auf seine herkömmlichen Trainer wechselt, fragt man sich nicht ohne Grund, warum man bisher einen so schweren Schuh mit sich herum geschleppt hat. Das asymmetrisch verlaufende Schuhband wird nicht durch Löcher geführt, sondern ist in Schlaufen befestigt. Diese sind in die Schuhkonstruktion so eingebracht, dass sie den gesamten Mittelfuß sicher umschließen.

Brooks Green Silence - Lasche

Brooks Green Silence - Lasche

Die Lasche (Zunge) ist am Ende und an der äußeren Seite mit dem Schuh verbunden, bzw. geht direkt aus dem Obermaterial hervor. Das gibt ihr eine eigenartiges Aussehen, funktioniert aber sehr gut, da die Sohle nicht zurückrutschen kann.

 

 

 

 

 

 

Laufgefühl

Die dünne Sohle beschert dem Läufer ein ziemlich direktes Laufgefühl. In der Sohle befindet sich keine echte Dämpfung und so wird schon auf den ersten Metern klar, dass

Brooks Green Silence - Quartier

Brooks Green Silence - Quartier

der Green Silence zwar ziemlich dynamisch ist, aber auch gewisse Ansprüche an den Läufer stellt. Die flexible Sohle sorgt für ein sehr gutes Abrollverhalten und man kann problemlos auf dem Vorder- oder Mittelfuß laufen. Wer bisher auf der Ferse gelaufen ist, sollte genau jetzt anfangen dies zu ändern oder den Schuh nicht über längere Strecken oder auf Asphalt benutzen. Man tut sich keinen Gefallen damit. Obwohl die Sohle beim Laufen einen erstaunlich verwindungsfreien Eindruck macht, bietet der Sohlenaufbau weder Stabilität noch führende Elemente in den Seiten. Auf kurzen Strecken ist das sicher kein Problem, bei längeren Einheiten sollte man einen neutralen Laufstil haben. Sowohl auf der Straße als auch im Park oder auf befestigten Waldwegen macht der Green Silence einen zuverlässigen Eindruck und macht keine Anstalten wegzurutschen. Der Fuß wird sicher gehalten und man hat nicht das Gefühl in der großzügigen Zehenbox zu schwimmen. Auch nach 10km fühlt sich unser Schuh immer noch leicht an und es kommt bei uns weder zu Druckstellen, noch zu Blasenbildung.

Das Augenscheinliche

Brooks Green Silence

Brooks Green Silence

Neben den ganzen technischen Eigenschaften, die der Green Silence mitbringt, muß man das außergewöhnliche Design erwähnen. Er hat sicher ein wenig das Aussehen eines Freizeitschuhs, zu dem er sich, nebenbei bemerkt, auch sehr gut eignet. Aber er kann uns auch als leichter und flexibler Laufschuh begeistern. Das mit unregelmäßig verteilten Löchern versehene Mesh lässt ihn leicht aussehen und reduziert sein Gewicht tatsächlich. Die Außensohle ist eher flach im Aufbau und zeigt kein grobes Profil. Auch das macht den Green Silence vollkommen alltagstauglich. Er erinnert nicht sehr stark an einen Laufschuh. Es gibt den Green Silence in zwei verschiedenen Farbstellungen. Für 95,- EURO UVP steht der Schuh im Brooks-Onlineshop. Mit ein wenig Glück, bekommt man ihn aber in anderen Shops günstiger, sofern die passende Größe noch vorrätig ist.

Unser Eindruck

Der Green Silence ist ein auffälliger Lighttrainer, der dem Läufer mehr abverlangt als z. B. der Pure Connect. Hat das Modell aus der Pure Serie noch eine Mischung aus BioMoGo und BioDNA in der Sohle, so kommt der hier getestete Schuh vollkommen ohne Dämpfung aus. Das Laufgefühl ist allerdings direkter als beim Connect. Um die Muskeln im Fuß zu trainieren ist er im Training und auf Strecken bis 10km bestens geeignet und zeigt seine Wirkung – am Anfang wird der ungeübte Läufer vermutlich seine Füße und Waden deutlich spüren. Das sollte man aber nicht falsch interpretieren: hier werden Muskeln gefordert, die bisher nicht da waren! Der Schmerz wird vergehen, wenn man länger mit dem Schuh trainiert. Positiver Nebeneffekt ist, dass man deutlich stabiler in seinen bisherigen Schuhen läuft und vielleicht sogar auf leichtere Modelle umsteigen kann. Die Zeit für diesen Wandel sollte aber in Monaten gerechnet werden, nicht in Wochen. Soweit unsere Erfahrungen zu diesem Thema!

Was noch offen blieb

Park ist ganz schön, aber wir wollen den Green Silence auch einmal auf einem echten Waldweg ausprobieren. Dazu werden wir uns richtig Zeit nehmen, um zu sehen, was die Sohle so abhält und was man zu spüren bekommt. Im Stadion wollen wir auch noch ein paar schnelle Einheiten absolvieren. Die sommerlichen Tage haben ja gerade erst angefangen.

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