Brooks International
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Statt DTM und Formel 1 starteten Anfang Mai mehr als 12.000 Läuferinnen und Läufer auf dem Nürburgring. Was 2007 mit 1.200 Teilnehmern auf einem Truppenübungsplatz in Münster begann, ist heute zu einer der stärksten, größten und faszinierendsten Laufveranstaltung ihrer Art geworden: 22 Kilometer, 30 Hindernisse, 650 Höhenmeter. 500 Hektar Herausforderung auf 600 Fußballfeldern Fläche, rund um den Grand-Prix-Circuit in der Eifel. Grüne Hölle und Weltrekord! Begleiter bei der schlammigen Sause: Brooks neuer Triathlon-Anzug. Die Tri Suit ist ursprünglich gemacht für den sportlichen und relativ sauberen Dreikampf aus Schwimmen, Radfahren und Laufen…


Dreißig- statt Dreikampf

Angesichts der 30 Hindernisse auf dem Parcours eine gute Wahl, weil es auch beim StrongmanRun schwimmend vorran geht. Wüsten aus tausenden Gummireifen ersetzen adäquat das Rad. Bewegung (und Überwindung) wird beim StrongmanRun groß geschrieben. Die verschiedenen Barrieren sind außerdem ein echter Belastungstest von Mensch und Material.

Maximale Bewegungsfreiheit ist mit der Suit garantiert: Bei diesem Einteiler verrutscht einfach nichts. Kein Shirt schlackert, keine Hose hängt. Der Triathlonanzug sitzt wie eine zweite Haut, passt wie angegossen, nirgendwo auch nur ein Fitzelchen Falte. Schon beim Hineinschlüpfen vermittelt er das das gute Gefühl purer Performance. Er liegt eng an, behindert aber keine Bewegung. Arme und Axeln liegen frei, ähnlich wie bei einem Singlet. Trotzdem schließt das grüne, sehr elastische Material des Oberteils überall ausgezeichnet ab. Schmutz und Schlamm und Schweinehund bleibt draußen. Außerdem bilden sich so keine „Taschen“ beim Schwimmen, die den Träger bremsten. Also auch flotte und freie Fahrt auf der rund 30 Meter langen “Wasserrutsche” – das Bild zeigt mich kurz vor dem Auffangbecken:

Da die Tri Suit eine zusammenhänge Einheit aus Ober- und Unterteil ist, entert man sie von oben. Triathloneinsteiger fragen sich vielleicht, ob unter dem Anzug noch Shorts oder Bikini getragen werden sollten. Möglich, aber tragt ihr im Schwimmbad zur Sicherheit sonst auch immer zwei Badehosen übereinander? Na also. Und wo wir schon mal an diesen Stellen sind: Der Anzug ist „unisex“, also gleichermaßen für Männer wie Frauen gedacht und gemacht. Solltet ihr jetzt als Leserin diesen Testbericht aufmerksam studieren, empfehle ich euch zusätzlich die Erfahrungsberichte von der Din, da es wohl doch genderspezfische Unterschiede im Anforderungsprofil gibt, beispielsweise die Größe der Arm-Ausschnitte.

Ein Komfortmerkmal des Anzugs ist der Reißverschluss im Brustbereich. Er ist relativ lang, kühn trotzend dem Maximum von höchstens 15 Zentimetern, die die Deutschen Triathlon Union (DTU) als Grenze für Amateur-Rennen vorschreibt. Durch seine Länge lässt er sich bei Hitze weit öffnen, um für Kühlung zu sorgen. Im zugezogenen Zustand verschwindet der Zipper in einem kleinen Stofftäschchen. Ein entzückendes Detail, was von hoher Aufmerksamkeit bei Entwicklung und Produktion spricht. Jedes rhythmische, nervende „Klappern“ auf der Laufstrecke oder dem Rad wird auf diese Weise effektiv unterdrückt. Die Verarbeitung rund um den Reißverschluß ist einwandfrei – hochwertige und doppelt ausgeführte Nähe, einfach erstklassig und hochwertig. Ich besitze neben der Brooks Tri Suit noch einen Anzug von 2XU – deutlich teurer, aber in der Wirkung der Verarbeitung weniger wertig.

Passform Swordfish
Maßgeblich wegen der ausgezeichneten Passform war die Suit eine bewusste Wahl für den Dreißigkampf, auch wenn StrongmanRun der Spaß wirklich nicht zu kurz kommt. Selten sieht man bei einer Veranstaltung so eine große Zahl verkleideter, kostümierter Läufer. Die besonderen Umstände scheinen die Menschen herauszufordern, und das Publikum freut sich am Anblick verdreckter Superhelden, Superschurken & Co. Im Look von Lance Armstrong fiel ich im Feld also kaum weiter auf.

Ein Triathlonanzug ist extrem atmungsaktiv und im Schritt zusätzlich leicht gepolstert, um unangenehmes, sattelbedingtes Scheuern zu vermeiden. Zusätzliche Taschen sorgen außerdem für Stauraum.

Zugegeben, bei 7° Außentemperatur, 5° Wassertemperatur, Nebel und Regen war das mit der Atmungsaktivität so eine Sache. Von schneller Trocknung konnte keine Rede sein. Ausnahmsweise keinen Gebrauch machte ich auch von den zwei praktischen Taschen, die auf der Rückseite der Tri Suit angebracht sind, zwischen Rücken und Gesäß. Praktisch sind sie allemal, beispielsweise als Depot für Schlüssel oder Energieriegel. Analog zur ganzen Suit sind sie hochwertig gearbeitet, wirken wertig und belastbar. Zu ihnen gesellen sich zwei weitere Taschen an den unteren Enden der Beine, ideal für Gels.

Die Polsterung zwischen den Beinen fällt bei dem Anzug sehr dezent aus. Muss auch, denn eine Kissenlandschaft im Schritt wäre auf dem Rad vielleicht kommod, doch beim Laufen und Schwimmen höchst hinderlich.  Dicke Polster hätten außerdem den Nachteil, sich nach dem Kontakt mit Nässe vollzusaugen (extra für den StrongmanRun umschreibe ich es so, ansonsten könnt ihr an dieser Stelle aber auch eurer Fantasie freien Lauf lassen). Das steigert das Gewicht, und mehr Gewicht mögen Läufer normalerweise nicht. Deshalb bedeutet „dicker“ nicht gleich „besser“, mal ganz unabhängig von der Optik. Die Tri Suit bietet deshalb in diesem Bereich eine zusätzliche, dünne Schicht eines weichen, fleeceartigen Stoffes. Völlig anders als das Schaumstoffgebirge in meinen reinen Rad-Shorts. So dezent, dass es beim Laufen (und Schwimmen) weder spürbar noch sichtbar ist.

Überhaupt ist die „Hose“ des Einteilers eine sehr gefällige Erscheinung. Mit leichtem Kompressionseffekt, der den venösen Blutfluss zurück zum Herzen unterstützt, um so einen leistungssteigernden Effekt zu erzielen. Selbst Experten fällt es schwer zu sagen, ob Kompressionswäsche wirklich schneller macht. Wirklich spürbar ist jedoch der Tragekomfort, da Muskelvibrationen durch die enge Passform reduziert werden. Optimal finde ich den festen Stoff des Unterteils. Nässe wird bei sehr enger Sportkleidung dort schnell zur optischen Herausforung. Die Brooks Tri Suit löst das mit Bravour.

Das war nur der Anfang
Zurück auf die Strecke: Über Kies, Curbs und Treppenstufen nähern wir uns dem ersten Hindernis. Unglücklicherweise führt der Weg dorthin über ein steiles, verschlammtes Wäldchen, dessen Pfade nur noch aus glitschigem Lehm bestehen. Was für ein Glück, den PureGrit als Trailschuh gewählt zu haben – der Vorteil gegenüber glattem Laufschuhprofil ist enorm, komme mir vor wie Spiderman. Außerdem ist er bereits rennstreckenerprobt. Doch das ist eine andere Geschichte: Einerseits im (damals noch sehr sauberen) PureGrit-Test, andererseits den Erlebnissen bei einer perfekten Schlammschlacht in der Grünen Hölle des StrongmanRun.

Fazit
Als Fazit kann ich der Brooks Tri Suit von Herzen nur Bestnoten geben und euch empfehlen. Ein Glücksfall mag die ausgezeichnete Passform sein. Der Anzug sitzt wie angegossen und maßgeschneidert. Nirgends lose, überall straff – optimal für einen Triathlonanzug. Stoff, Nähte, Verarbeitung und Variabilität sind über jeden Zweifel erhaben, wirken ausgesprochen wertig, langlebig und durchdacht.

Die Suit ist bei den Wettbewerben ein zuverlässiger und dezenter Begleiter, der alle Anforderungen erfüllt und übertrifft. Überhaupt hält sich dieses moderne Stück Stoff sehr zurück, und gibt mir das, worauf es mir ankommt: Maximale Bewegungsfreiheit und ein Körpergefühl, das die Kleidung beim Wettkampf vollständig ausblendet. Das schafft sonst kein anderes Outfit.

Bei den Details spürt man wieder, wie sehr Brooks das Laufen und die Läufer liebt, und bei der Entwicklung mitdenkt. Ob Taschen, Zipper oder Farbe – ich wüsste nicht, was an diesem Anzug noch besser gemacht werden könnte. Dabei ist es für Brooks eine Premiere, die erste Tri Suite im Sortiment. Der Preis von 119,90 Euro geht dafür völlig in Ordnung. Chapeau!

P. S.
Und falls ihr euch angesichts der Fotos fragt, wie es der Tri Suit jetzt geht: Sie ist nach zwei normalen Buntwäschen in der Maschine wieder wie neu.

One Response to “Drei- und Dreißigkampf mit der Tri Suit”

  1. Din says:

    Da warst du ja wirklich mutig, Alf! Das schöne grüne Teil… aber ja, ich habe mir meinen auch schon heftig vollgeschmiert und er ging fix wieder sauber. Aber viel besser finde ich ja auch das Tragegefühl – das Oberteil ist fast nicht zu spüren, die Hose sitzt gut fest und nichts verrutscht.

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