Brooks International
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Niemals hätte ich damit gerechnet. Knie muckte, wochenlange Laufpause, unregelmäßige Tweets und Facebookbesuche, kaum Blogbeiträge. Gesundheit und Alltag wollten nicht wie ich, wie sollte ich da überhaupt eine Chance haben als Messenger of Run Happy ausgewählt zu werden? Bei so vielen Bewerbern machte ich mir kaum Hoffnung. Umso überraschter und glücklicher war ich dann, als ich die Email vom Brooks erhielt. Alle anderen wussten es natürlich vor mir – wenn ich arbeite, habe ich kein Internet. So musste ich mich doch sehr zusammenreißen auf dem Heimweg nicht laut durch den Bus zu quieken.

Und genauso unerwartet stand dann ein paar Tage später das Testpaket vor meiner Tür. Aber nicht vor der meiner damaligen Wohnung, sondern schon vor meiner neuen Bleibe. Der Umzug wurde mir so sehr versüßt, es war wie Weihnachten und Geburtstag in Mitten vom Kistenchaos. Nun also ganz ernsthaft: Testläuferin für Brooks – Wahnsinn!

Sofort verliebte ich mich in alle Dinge aus dem Testset und selbstverständlich werde ich jedes einzelne Produkt vorstellen. Das Testpaket bestand hauptsächlich aus der neuen Frühjahr/Sommerkollektion, sodass die Hosen und Shirts kurz sind. Da das Wetter zurzeit ja alles andere als sommerlich ist, beginne ich also mit den Schuhen: dem Ravenna 3 und der genialen weiß-lilanen Version des PureFlows.

Ravenna? Nie vorher gehört, ich kannte Adrenaline, Ghost und Glycerin von vielen Erzählungen und aus Laufläden. Aber darum geht es ja, um das Ausprobieren und den subjektiven Eindruck. Gleich hereingeschlüpft wirkte der Schuh sehr fest am Fuß, ähnlich der Pure Serie, was mir gut gefällt. Meine Bänder am Knöchel sind eher schwach, ich neige zum Umknicken und brauche diesbezüglich einen festen Halt im Schuh. Des Weiteren würde ich laut Analyse leicht überpronieren. Zunächst testete ich den Schuh in der Wohnung – beim Kisten schleppen und Möbel zusammenbauen. Dabei war er schon einmal recht bequem.

Viel wichtiger aber die Probe aufs Exempel: wie sich der Schuh sich im Training läuft. Absichtlich las ich vorher nichts nach. Ich wollte gar nicht genau wissen, ob er nun als Neutral- oder Stabilschuh gilt, eher für die Straße oder doch unebene Waldwege entwickelt wurde. Immerhin laufe ich beides leidenschaftlich gern, daher muss ein Schuh für mich auch beides gut wegstecken. Frisch an den Waldrand gezogen begleitete mich der Ravenna 3 also auf meinen ersten Erkundungstouren durch unbekanntes Gelände. Vor der Haustür (natürlich noch asphaltierte Wege) machte ich mir noch keine Gedanken, retrospektiv betrachtet muss das Gefühl aber gut gewesen sein. Denn gerade nach einer Laufpause achtet man anfangs sehr auf kleine Wehwehchen wie Knieschmerzen oder Wadenzwicken. Nichts der Gleichen meldete sich und so bog ich in den Wald ein, zunächst auf breiten Wegen mit kleinen Löchern und großen Steinen. Um mich nicht gleich am Anfang zu verirren blieb ich zunächst auf den angelegten Wegen des Forsts. Trotzdem verlangte die Strecke so einiges, die von der GPS Uhr angezeigten 220m Höhenunterschied merkte ich als Nordlicht vom platten Land schon ganz gewaltig – jedoch eher am Puls als in den Beinen.

Der Ravenna machte alles mit, bergauf gab er genügend Halt, auch die eine oder andere Matschpfütze waren kein Problem. Auf den teilweise sehr steilen Hängen bergab versuchte ich etwas zu bremsen, um nicht ganz die Kontrolle zu verlieren und wegzurutschen – so gut befestigt waren die Wege dann doch nicht. Akkus von Pulsuhr und Ipod ließen mich mal wieder im Stich, aber der Schuh motivierte mich wirklich zum Weiterlaufen und die tolle Landschaft wollte einfach erkundet werden. Nun gab es kein Halten mehr, so kurz vor dem Strongmanrun musste ich einfach abseits der Wege durch Laub und Gebüsch, über Äste hinweg und auf Baumstämmen balancieren. Ein Eichhörnchen kreuzte meinen Weg, ich lief ihm nach, versuchte es einzuholen – aber auf einen Baum zu klettern fand ich am Ende doch etwas übertrieben. ;-) Ich rannte die steilsten Hänge hoch und wieder herunter, fast wie im Rausch. Kein Umknicken, kein Wegrutschen, nur ein gutes Laufgefühl.

Zuhause ging ich nochmals in mich, stellte fest, dass weder die mir bekannten Fußschmerzen (Metatarsalgie), noch das Ziehen im Knie oder die Blasen am Innenfußbereich (bei meinem Paar mit Pronationsstütze häufig) aufgetreten waren.

Doch einmal ist ja bekanntlich kein Mal, also lief ich bisher noch 3x mit dem Ravenna 3,  einen Lauf auch auf ausschließlich asphaltierter Strecke. Fragt mich nicht wie Brooks das wissen konnte, aber sie scheinen mir direkt den für mich perfekten Schuh rübergeschickt zu haben – und ich kannte ihn noch nicht einmal. Nun war ich doch etwas neugierig, nahm ihn etwas genauer unter die Lupe.

Er scheint sehr leicht zu sein für ein Modell, welches nicht der Pure Reihe angehört. Zurzeit laufe ich fast nur noch mit flachen Schuhen ohne extreme Polsterung, denn ich bin recht leicht und Mittelfußlaufen liegt mir. Sowohl Dämpfung als auch die Sprengung des Ravenna imponieren nicht zu extrem. Vielleicht ist dieser Schuh gerade deshalb für viele Läufer ein guter Zwischenschritt auf dem Weg von den supergegelten Stabilschuhen (die mir Fußbeschwerden machten) der letzten Jahre hin zu den flachen Minimalisten, die sich derzeit so großer Beleibtheit erfreuen. Das Damenmodell ist auch im Vorfußbereich nicht zu breit, mein schmaler Fuß rutscht keinen Millimeter darin.

Und last but not least: rein optisch ist das Modell ein echter Hingucker. Kein farblicher Langweiler, aber eben auch kein übertrieben neonquietschpinker Treter, mit dem sich die Freizeitläuferin nur im Dunkeln auf die Straße traut. Das schlichte Silber mit lilanen und hellblauen Akzenten passt perfekt zum Rest meines Laufkleiderschranks. Auch dieser Aspekt trägt schließlich zum Laufwohlbefinden bei.

Nun aber genug der Spekulation und subjektiven Eindrücke, hier ein paar harte Zahlen und Fakten:

Kategorie: Guidance (bei leichter bis mittelstarker Pronation)

Gewicht: 264g

Dämpfung: Brooks DNA™

Sprengungskategorie: 9-12mm

Verbesserung im Vergleich zum Vorgängermodell: überarbeitete Flexkerbenkonstruktion für stabilen Stand bei flexibler Abrollbewegung

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